Hurra! 4000 Konschdanzer dürfen endlich mal sagen, was sie denken!

15 05 2008
Sehr lustig: Wo es so langsam ernst wird in Sachen KKH, Konzilfeststspiele und überhaupt, ja, da wird es auf einmal wieder modisch, sich auch mal Gedanken darüber zu machen, was der gemeine (also der all-gemeine) Konschdanzer eigentlich selber will. Die Stadt befragt daher ab den kommenden Tagen Bürger.

Allerdings: Die 4000 Konschdanzer, die repräsentativ Ihre Meinung dazu in Fragebögen kundtun dürfen, werden von der Stadt ausgesucht und per Post angeschrieben….

Hm. Das ist etwa das gleiche, was bei den Fernseheinschaltquoten seit Jahren läuft. Oder kennt von Euch irgendwer einen von diesen 1000 Leuten, die daheim diese kleinen Boxen am TV haben, über die das Fernseh-Verhalten beobachtet und ausgewählt wird? Und die letztlich damit dann vorgeben, was die restlichen Fernseher in ganz Deutschland schauen dürfen und was nicht?

Alles sehr seltsam. Doch lest selbst, im Südkurier oder hier:

 

Rathaus und Uni wollen es wissen: Was denken die Konstanzer über ihre Stadt? Wo sind sie zufrieden, wo nicht? Warum ziehen sie zu und wieder weg? Solchen Themen geht die große Bürgerbefragung nach, die am 26. Mai startet. Erstmals nehmen die Bürger über das Internet teil, es gibt auf Wunsch aber auch Fragebögen auf Papier.

Wissen über Wünsche und Probleme der Bürger sind für die Politik wichtiges Kapital: Entscheidungsträger können damit bestimmen, welche Themen sie vorrangig bearbeiten. Sie können zumindest abschätzen, welche Entscheidung bei den Menschen wie aufgenommen wird. Und sie können nach einigen Jahren nochmals nachfragen und erforschen lassen, ob sich in der Stimmung der Bevölkerung etwas geändert hat.
Konstanz fragt dabei nicht zum ersten Mal nach. 1997, berichtet Hauptamtsleiter Roland Bunten, wurden zufällig ausgewählte Bürger mit herkömmlichen Fragebögen um ihre Meinung gebeten, 1999 wurden sie angerufen - jeweils mit Unterstützung des Instituts für Demoskopie in Allensbach. In diesem Jahr ist die Universität die Partnerin der Verwaltung, “und wir haben das gerne gemacht, weil auch wissenschaftlich in dem Thema einiges drinsteckt”, so Rektor Gerhart von Graevenitz. Oberbürgermeister Horst Frank sieht einen neuerlichen Schulterschluss zwischen Rathaus und Uni, verweist aber auch darauf, dass die Kosten durch die neue Zusammenarbeit geringer sind.

Neuland betritt Konstanz vor allem bei der Methode: 4000 zufällig gezogene Bürger werden angeschrieben, erhalten Zugangsdaten zu einer besonderen Internet-Seite und können dort abstimmen. Für die Stadt entfällt damit das mühsame Eingeben von Fragebogen, und die Uni kann an der Technik für solche Befragungen weiter feilen. Schon heute aber, betont OB Frank, ist der Datenschutz gewährleistet. “Wir haben auch sichergestellt, dass jeder nur einmal mitmachen kann”, ergänzt Soziologieprofessor Thomas Hinz, der die Untersuchung wissenschaftlich leitet.

Wer keinen Zugang zum Internet hat, aber um Teilnahme gebeten wurde, kann sich auch einen Fragebogen schicken lassen und diesen ganz konventionell ausfüllen: “Es dauert nicht mehr als 20 Minuten”, verspricht Roland Bunten. Als Belohnung sind Preise ausgelobt, darunter Therme-, Theater- und Konzertkarten. Persönliche Daten und Befragungsdaten würden so getrennt, dass die Anonymität gewahrt bleibt.

Das Projekt soll über drei Jahre laufen, und die Bürger werden dabei mehrmals zu Wort kommen: Eine bis zwei Runden im Jahr sind geplant, zu jeweils neuen Themen. Den Auftakt bilden Fragen zu Mobilität und Wohnen, “weil wir das Gefühl haben, dass diese den Menschen besonders unter den Nägeln brennen”. Erste Ergebnisse werden im Sommer erwartet. In späteren Stufen soll die Befragung für alle Interessierten geöffnet werden. “Dann”, sagt Thomas Hinz, “ist es eine der spannenden Fragen, ob die Ergebnisse abweichen, wenn die Menschen von sich aus mitmachen können.”

Wer fragt? Die Bürgerbefragung für die Jahre 2008 bis 2010 wird gemeinsam von der Stadt Konstanz und der Uni Konstanz durchgeführt. Die Untersuchung wird geleitet von Soziologieprofessor Thomas Hinz.

Wer wird gefragt? 4000 zufällig ausgewählte Bürger erhalten per Post die Einladung zum Mitmachen. Im Brief sind die Zugangsdaten zu einer Internetseite enthalten, auf der eine Reihe von Fragen gestellt werden. Wer kein Internet hat, kann sich einen Fragebogen zusenden lassen.

Wann geht es los? Die Briefe werden in der nächsten Woche verschickt, die Umfrage läuft am Montag, 26. Mai an.

Sind die Daten sicher? Laut Stadt und Uni werden alle Informationen verschlüsselt übertragen. Eine Zuordnung von Antworten zu den Teilnehmern ist demnach nicht möglich. Persönliche Daten für das Gewinnspiel werden von den Antworten getrennt, damit Anonymität gewahrt ist. (rau)




Konschdanzer Kinogeschichte von 1896 bis 1914

14 05 2008

Einen schönen Aufsatz zur Konschdanzer Kinogeschichte gibt es von Anne Paech, den wir hier gerne veröffentlichen möchten. 

 

Anne Paech: Konstanzer Kinogeschichte: Die Anfänge (1896-1914)

Die Geschichte des Films ist nicht identisch mit der Geschichte des Kinos. Erst gut zehn Jahre nach seiner ersten öffentlichen Vorführung 1895 erhielt der Film einen eigenen festen Ort -, und bis dahin war er auf Wanderschaft: Als ambulantes Gewerbe, meist von Schaustellern betrieben, fanden die ersten Filmvorführungen in Hotel- und Gasthaussälen statt. Der Kinematograph etablierte sich rasch als feste Programm-Nummer in großstädtischen Varietés und tauchte um die Jahrhundertwende vor allem auf Jahrmärkten auf, wo er natürlich die Hauptattraktion darstellte. Damals mußte ein Kinematographen-Besitzer mobil sein und mit seinem Apparat von Stadt zu Stadt reisen, um für sein einmal gekauftes Filmprogramm immer wieder ein neues Publikum zu suchen.

 

Wanderkino-Pioniere

 
Abb. 1 Der Kinematograph zum erstenmal in Konstanz (Konstanzer Zeitung 28.9.1896)

Der Konstanzer Bevölkerung bot schon sehr früh die Gelegenheit, erste Bekanntschaft mit dem neuen Medium zu machen, nämlich - zeitgenössischen Zeitungsinseraten zufolge - bereits zur Herbstmesse 1896. Das Varieté-Theater Louis Praiss aus Genf, in dem Akrobaten, Seiltänzer und Jongleure, Clowns, Gedankenleser und dressierte Hunde ihr Können zeigten, kündigte zum Abschluß seines 14tägigen Gastspiels am 28.September 1896 in der “Konstanzer Zeitung” an: “Große Galavorstellung. Neu! Kinomatograph, die lebende Photographie. Sensationeller Erfolg in allen größeren Städten Europas”. Wie allerdings der Erfolg dieser ersten Filmvorführung beim Konstanzer Publikum gewesen ist, läßt sich heute leider nicht mehr feststellen.

Erst ein halbes Jahr später, als im Saal der Schankwirtschaft Schwedenstein, Kreuzlinger Str. 51 der nächste Kinematograph für die Dauer von acht Tagen aufgestellt war, geht die “Konstanzer Zeitung” am 8.März 1897 auf dieses Ereignis mit einer kurzen Notiz ein: “Gegenwärtig ist im Schwedenstein ein Kinematograph ausgestellt. Wie bekannt, führt ein solcher dem Zuschauer lebende Photographien vor. Man sieht da die Ankunft und Abfahrt eines Schnellzuges, den Ausgang eines Pariser Modebazars, engl. Boxer, Vorstudien eines Radfahrers usw. Alles spielt sich wie in Wirklichkeit vor dem Auge ab”. Drei Vorstellungen gab es täglich und der Besitzer des Wanderkinematographen, ein gewisser H. Maler, nahm für den I. Platz 80, den II. Platz 40 Pfennige - Militär bis zum Feldwebel die Hälfte -, was seinerzeit nicht gerade billig gewesen ist. Zum Schluß ertönte noch ein Konzert mit dem Edison-Phonographen.

Ein Filmprogramm setzte sich damals aus etwa einem Dutzend unterschiedlicher kurzer “Film-Nummern” zusammen: Zum Beispiel folgten auf Naturaufnahmen kurze Dramen, dann ein Ballett und auf die Humoreske eine Aktualität -, ein Programm, das sozusagen fast schon alle Filmgenres enthielt und sich in seiner Programmvielfalt stark an der Abfolge des bunt gemischten Nummern-Programms der Varietés orientierte. Der Dichter Ferdinand Hardekopf hatte deshalb auch vom Kino als ‘zweidimensionalem Varieté’ gesprochen.

Als das Theater Praiss zur Herbstmesse im Jahr 1900 wieder in Konstanz gastierte, beschränkte sich der Kinematograph nicht mehr auf die Schluß-Nummer, sondern das ganze Unternehmen war mittlerweile in ein solches ‘zweidimensionales Varieté’ verwandelt worden. Attraktion war jetzt nicht mehr die körperliche Präsenz der artistischen Leistung, sondern vor allem deren technische Reproduktion. Als ‘Erster schweizerischer Riesen-Kinematograph’ und schon ausgestattet mit einer eigenen elektrischen Lichtanlage, brachte Kinopionier Louis Praiss “250 lebende Bilder aller Weltteile, seriöse und hochkomische Scenen in Prachtfarben, sowie die größte Attraktion der Neuzeit: “Aschenbrödel” und Aktualitäten wie “die neuesten Ereignisse des Krieges in Transvaal und die neuesten Aufnahmen von Sr .Majestät Kaiser Wilhelm in Karlsruhe und Stettin”. Zusammen mit seiner Frau Rosine Mohler und sieben Kindern bereiste der aus Gleiwitz/Ostpreußen stammende und 1899 naturalisierte Genfer Louis Praiss die Schweiz und Süddeutschland. Mit seinem “Grand Théâtre des Varietés”, das er stolz als größtes transportables Etablissement seiner Art in Europa bezeichnete, hatte Praiss im Frühjahr 1896 auf dem Vergnügungspark der Schweizer Nationalausstellung in Genf gastiert und dort die ersten Vorführungen des “Cinématographe Lumière” in der Schweiz miterlebt. Da er als Schausteller stets bestrebt sein mußte, die neuesten Attraktionen aufzugreifen, wurde die neue Erfindung sofort ins Programm des Varieté-Theaters integriert, das sich alsbald ganz in ein Kinematographen-Theater verwandelt hatte.

In jedem Jahr zur Konstanzer Herbstmesse wartete Louis Praiss von nun an mit neuen Sensationen auf: 1901 brachte er zum Beispiel erste selbstgedrehte Filmaufnahmen, in denen die Konstanzer Regimentskapelle im Festzug des eidgenössischen Schützenfestes in Luzern zu sehen war. Und im Jahr 1902 präsentierte Praiss in seinem “Riesen-Phono-Kinematograph” die vermutlich ersten Filmbilder der Stadt, die er wenige Tage zuvor selbst in Konstanz gedreht hatte. In seinem Zeitungsinserat machte er darauf aufmerksam, daß “diejenigen Personen, welche an diesem Tage [24.8.1902] auf den angegebenen Straßen waren, sich in Lebensgröße im Kinematograph sehen können”. Kein Wunder, daß sich sein Unternehmen daraufhin sehr lebhaften Zuspruchs erfreute und wegen des großen Erfolgs noch gut vier Wochen länger am Ort verweilen konnte.

 
Abb. 2 Auf dem Döbele zu sehen: Die vermutlich ersten Filmaufnahmen von Konstanz (Konstanzer Zeitung 5.9.1902)

 

Jahrmarkt-Kinematographen auf dem Döbele

Bevor sich 1908 in Konstanz das erste ständige Kino etablierte, bestand mindestens dreimal im Jahr die Möglichkeit zu einem Besuch im ambulanten Kinematographen-Theater: Während der Frühjahrs- und Herbstmesse und zum Konradimarkt Ende November konnte man sicher sein, auf dem Döbele ein Wanderkino anzutreffen. Die Schausteller hatten als erste den technischen Sensationswert des neuen Mediums für sich erkannt und genutzt, und auf ihren Reisen den Film überall bekannt gemacht. Sie waren die eigentlichen Kinopioniere.

Während Louis Praiss regelmäßig Stammgast auf der Herbstmesse war, hatte sich für die Frühjahrsmesse Heinrich Ohr’s Kinematograph aus Pirmasens auf Jahre im voraus ein Platzrecht gesichert. 1904 brachte Ohr “die einzig existierenden Originalaufnahmen aus den letzten Lebenstagen des Papstes Leo im Vatikan”. Später am Abend folgten in einer ‘wissenschaftlichen Vorstellung’ die “Operationen des Prof. Doyen aus Paris”, Bilder, die man glaubte, nur “Herren über 20 Jahren” zumuten zu dürfen. Louis Praiss experimentierte schon seit 1901 mit verschiedenen Tonbildsystemen und war insofern auch für den ‘Tonfilm’ in Konstanz der Pionier. Bei seinen “lebenden, sprechenden, singenden und musizierenden Photographien”, die er 1904 präsentierte, wurden Grammophon-Schallplatten durch einen Gleichlaufmechanismus synchron zum Filmbild aufgenommen und abgespielt. Neben neuen selbstgedrehten Aufnahmen wie dem “Schweizer Truppenzusammenzug 1904″ wurde aus seinem 172 Filme umfassenden ‘Riesenprogramm’ unter anderem angekündigt: ” “Faust und Gretchen” (großartige Theaterscene nach Goethe), “Drama in den Wolken” (größter Sensationsfilms der Gegenwart (koloriert) und “Im Reich der Feen” (neuestes Zaubermärchen, der längste bis jetzt existierende Films)” von Georges Méliès (1903) mit der Länge von 335 Metern. Derartige Novitäten konnten natürlich auf die Eintrittspreise umgemünzt werden, die für den I. Platz 1 Mark, den II. Platz 60 und den III. Platz 40 Pfennige betrugen.

 
Abb. 3 Konstanzer Zeitung 25.11.1906

Philipp Leilich, ein weiterer bekannter Schausteller mit Heimatadresse Pirmasens, dessen Familie gleich vier große Wanderkino-Unternehmen in Süddeutschland, der Schweiz, Italien und Westfrankreich herumschickte, brachte zum Konradimarkt 1906 als neueste Zugnummer den “Hauptmann von Köpenick”. Dies war die allererste ‘Verfilmung’ der spektakulären Tat des legendären Schusters Wilhelm Voigt aus Köpenick -, ein Film, der schon 14 Tage nach dem Ereignis am Tag der Gerichtsverhandlung gegen den Schuster im Kinematographen zu sehen war und der bereits eine Vorführdauer von 20 Minuten hatte.

 
Abb. 4 Der “Salon-Cinématographe” von Georges Hipleh-Walt, 1904

Überaus prächtig sahen die Wanderkinematographen-Theater zu dieser Zeit aus: Mit holzgeschnitzten und reich bemalten Eingangsfassaden, vor denen in der Regel eine große prunkvolle Orgel spielte, stellten sie alle anderen Jahrmarktsvergnügungen in den Schatten. Eine eigene Lokomobile, eine Dampfmaschine auf Rädern, versorgte nicht nur den Projektionsapparat mit Strom, sondern brachte auch die glühbirnengeschmückte Fassade zum Erstrahlen und kündigte durch schrilles Pfeifen den Beginn der Vorstellungen an. Der Schweizer “Salon-Cinematographe” von Georges Hipleh-Walt aus Biel war so ein vornehmes Etablissement, das im September 1906 erstmals in Konstanz gastierte. Wie vor anderen Jahrmarktsgeschäften lockte auch hier auf dem Plafond vor dem Eingang ein sogenannter ‘Rekommandeur”, ein Ausrufer, das Publikum an, und animierte durch lautstarkes Anpreisen des Programms zum Eintritt ins Kinematographen-Theater. Über 800 Zuschauer fanden in dem transportablen Unternehmen von 30 Meter Länge und 10 Meter Tiefe Platz und zu sehen bekamen sie ‘garantiert scharfe und flimmerfreie’ Bilder auf einer 40qm großen Leinwand. Eine eigene Musikkapelle, die die Dampfmaschine vor dem Eingang und das Rattern des Projektors übertönen mußte, sorgte für die musikalische Untermalung des Filmprogramms. Der Besitzer und Direktor des “Salon-Cinematographe” Georges Hipleh-Walt, dessen Name in die schweizer Kinogeschichte eingegangen ist, war Schausteller deutschen Ursprungs und naturalisierter Schweizer. Er verfügte über ein so umfangreiches Filmrepertoire, daß er jeden Tag das Programm wechseln konnte. Als Spezialität kündigte auch er eigene Original-Aufnahmen an wie “Eine Reise quer durch die Schweiz” (Riesenbild), ein Dutzend Aufnahmen aus allen Weltteilen, sowie “Die Katastrophe von Courrières” und “Der Ausbruch des Vesuv”.

 

Zirkus-Kinematographen aus der Zeltfabrik Stromeyer

Obwohl auch zu Beginn dieses Jahrhunderts sich Konstanz eher am Rande des (Kino-) Geschehens befand, machten hier erstaunlich viele der wirklich großen Jahrmarktsunternehmen Station. Grund dafür war die Zeltfabrik Ludwig Stromeyer. In der bekannten Segeltuch- und Leinenweberei wurden unter anderem Chapiteaux für Zirkusse, Karussell- und Budendächer, Kassen- und Garderobenzelte hergestellt und gebrauchte Zelttücher ausgebessert und wieder imprägniert. Die Reise zur Konstanzer Messe ließ sich für Schausteller also gut mit einer Instandsetzung von Karussell oder Jahrmarktsbude verbinden; man konnte sich aber auch ein völlig neues Geschäft bauen lassen und von hier aus seine Tournee antreten. Eigens eine Abteilung für das Schausteller-Gewerbe war eingerichtet worden, wie aus einem Brief Ludwig Stromeyers hervorgeht. Spätestens seit 1905 hatte man in Konstanz begonnen, auch Zelte für Kinematographen zu bauen, was auf jeden Fall ein - wenn auch nicht konkurrenzloses- Novum war.

Das Schausteller-Fachblatt “Der Komet” berichtete im September 1906 begeistert über ein völlig neuartiges Unternehmen, nämlich einen sogenannten “Zirkuskinematographen”, der von der Leipziger Zeltefabrik Tränkner & Würker Nachf. mit einer eigens dafür erfundenen zirkusähnlichen Chapiteau-Bauweise konstruiert worden war. Dies entfachte im Anzeigenteil des “Komet” einen Kampf um die “Urheberrechte” am Zirkuskinematographen, der über Inserate ausgetragen wurde, bis sich schließlich aus Budapest der Schausteller G. Narten zu Wort meldete und in einer Anzeige erklärte, ihm habe die Firma Stromeyer als erstem und zwar schon 1905 einen solchen Zirkus-Kinematographen geliefert. Wie dem auch sei, in drei deutschen Fabriken wurden jetzt Zeltkinematographen gebaut, die ab der Herbstsaison 1906 Hochkonjunktur hatten. Ihr Vorteil gegenüber herkömmlichen Schaubuden-Kinos soll vor allem in den kurzen Auf- und Abbauphasen bestanden haben, so daß es möglich wurde, von einem auf den anderen Tag den Standort zu wechseln, ohne auch nur auf eine einzige Vorstellung verzichten zu müssen. Und dann das überwältigende Platzangebot: Über 2000 Sitzplätze hatten diese mobilen Filmpaläste!

Bei Stromeyer wurden komplett eingerichtete Zirkus-Kinematographen mit 2, 3 und mehr Masten, eleganten Vorbauten, Bestuhlung etc. angeboten und gebaut. Das Zelt aus schwarzem Segeltuch hatte oft einen gemalten Sternenhimmel im Innenraum, der mit Teppichen und plüschbezogenen Stühlen auf den besseren Plätzen und Logen schon wie ein eleganter Zuschauersaal gestaltet war. Projiziert wurde aus einem eigenen Vorführwagen auf eine Leinwand von mindestens 80qm Größe.

 
Abb. 5 In Konstanz gebaut: Zirkus-Kinematograph “Le Biographe Suisse” von Hipleh-Walt, 1906

Genau so ein Prunkstück erwarb der Schweizer Kinopionier Georges Hipleh-Walt im Herbst 1906 bei Stromeyer und zwar für die stolze Summe von 150 000 Franken. Das Unternehmen mit dem Namen “Le Biographe Suisse” bereiste die Schweiz, Italien und Deutschland und war 1909 auch einmal in Konstanz aufgestellt. Eine Vorstellung konnte hier über 2 Stunden dauern und in der Pause wurden an einem Büffet Erfrischungen gereicht. Hipleh-Walt, der übrigens wenig später auch zu einem der ersten Filmproduzenten und -Verleiher der Schweiz avancierte, hatte in seinem Zirkus-Kinematographen mehr als 20 Mitarbeiter (und einer davon, Wilhelm Rosenburg, sollte in der späteren Konstanzer Kinogeschichte eine nicht unbedeutende Rolle spielen.) Hipleh-Walt beschäftigte 2 Operateure, 6 Zeltmeister, 1 Sekretärin und 2 Kassierer, außerdem ein Orchester mit 12 Musikern. Das Entstehen dieser Wanderkinopaläste zu einem Zeitpunkt, als sich in den Städten schon die ersten einfachen Kinos fest etabliert hatten, deutet darauf hin, daß die Kinopioniere des Jahrmarkts noch einmal alles daransetzten, den Film als ambulantes Gewerbe für sich zu reklamieren. Doch die große Zeit der Wanderkinos ging allmählich zu Ende.

 

Der “Kinematograph Royal” als Wanderkino

Möglicherweise hatte das ein anderer schweizer Kinopionier der ersten Stunde, Alexander Dahlmann-Fasold bereits erkannt, als er im Juli 1907 zum ersten Mal nach Konstanz kam, und sich gleich nach einer dauerhaften Bleibe für seinen “Kinematograph Royal” umsah. Aber noch war die Heimatadresse Yverdon am Genfer See, von wo aus seit 1901 die Jahrmärkte der Schweiz, Österreichs und der gesamten Bodensee-Region bereist wurden. Gemeinsam mit seiner Schwägerin Marie Fasold betrieb er den Wanderkinematographen, ein Unternehmen, das bei einer Größe von 13 Metern Front und 26 Metern Tiefe mit 600 Sitzplätzen ausgestattet war, wie aus einem Briefkopf hervorgeht. Stolz verweist Dahlmann darin auch auf eigene Aufnahme-Apparaturen und eine eigene Streichkapelle. Dem “Kinematograph Royal” ging ein guter Ruf voraus, auch die “Konstanzer Zeitung” war des Lobes voll, und so war das Unternehmen für die Etablierung des ersten ortsfesten Kinos in Konstanz hoch willkommen.

 
Abb. 6 Briefkopf des Wanderkinos “Kinematograph Royal” mit dem Portrait von A.Dahlmann-Fasold, 1908

 

Die ersten Konstanzer Kinos

Am 18.Januar 1908 war es soweit: Der erste ständige Kinematograph hatte sich in einem Ladenlokal etabliert und von nun an konnte man auch in Konstanz jeden Tag ins Kino gehen. Der Schausteller Alexander Dahlmann-Fasold und seiner Schwägerin Marie Fasold hatten in der Bodanstraße 8 die geeigneten Räumlichkeiten gefunden, um mit ihrem “Kinematograph Royal” seßhaft zu werden. Bevor das Kino hier einzog, hatten die Ladenräume eine Fahrrad- und Automobilausstellung beherbergt -, der Schritt von der technischen Bewegung zur technisch simulierten Bewegung im Kino war also gar nicht so groß.

 

Der “Kinematograph Royal” in der Bodanstraße

Dieses erste Konstanzer Kino war ein typischer Vertreter der später sogenannten “Ladenkinos”, wie sie überall seit 1906/7 in einem regelrechten Kinogründungsfieber eingerichtet wurden: Leerstehende Ladenlokale ließen sich rasch und meist ohne größeren Aufwand in Kinematographen-Theater verwandeln. Es genügte ein kleiner Verschlag für den Operateur und ihm gegenüber eine Bildleinwand, ein paar eng aufgestellte Klappstuhlreihen oder Bänke, dann noch ein Klavier oder für Todesfälle auf der Leinwand ein Harmonium: Fertig war das Kinema! Von nachmittags bis 10 Uhr abends konnte man bei ständigem Eintritt im Hause des Brauereibesitzers Siegmund Frank (wo sich heute die Gaststätte ‘Bodanstüble’ befindet) ins Kino gehen, wenn man das Eintrittsgeld von 80 Pf. für den I. Platz oder 50 Pf. für den II. Platz erübrigen konnte.

Über Dahlmanns Kinematograph und die Anfänge des Kinos in Konstanz sind einige Bemerkungen in einem Kino-Fachbuch von 1926 enthalten, das die Stadt Konstanz aus der Perspektive des Kinounternehmers folgendermaßen beschreibt: “Als Industriestadt ganz unbedeutend, kann man Konstanz nur als Durchgangsstation nach der Schweiz bezeichnen. Hier eröffnete ein alter Fachmann, Herr Dahlmann (…) das erste Kino. Das Theater faßte 120 Besucher, von denen aber durch die vorhandenen Säulen nur 80 Besucher auf ihre Kosten kamen, soweit man in Anbetracht der damaligen Darbietungen überhaupt davon sprechen kann.(…)”

Das Kino war jeden Abend ausverkauft und an verschiedenen Stellen in der Stadt, sogar in Schuh- und Friseurgeschäften, war ein Billetten-Vorverkauf eingerichtet worden. Das Programm wechselte zunächst wöchentlich und gespielt wurde - wie es bis 1911 üblich war - ein bunt gemischtes Programm aus kurzen Filmen, das in Kindern und Jugendlichen sicherlich das dankbarste Stammpublikum gefunden hat. So ganz losgekommen von ihrem Wanderkino sind Dahlmann und Fasold allerdings nicht: Das ambulante Reise-Kino wurde nebenher noch weiterbetrieben. Zur Messe stand es regelmäßig auf dem Döbele und erfreute zu Zeiten des Jahrmarkts kleinere kinolose Orte in der Ostschweiz noch bis Mitte der zwanziger Jahre mit kinematographischen Bildern.

 

Das “Eden-Theater”

Einen ersten Konkurrenten in Konstanz erhielten Dahlmann-Fasold bereits im November 1908, als ein gewisser Theodor Beck das “Eden-Theater” in der Hussenstraße 34 eröffnete. Erstklassige Großstadtprogramme, flimmerfrei projiziert auf eine silberne Wand, versprach Theodor Beck in großen Zeitungs-Inseraten und wechselte schon aus Konkurrenzgründen zweimal wöchentlich sein Programm. Im Januar 1909 warb er mit erheblichem Aufwand für den Pathé-Frères-Film “Das Passionsspiel”(1907), übrigens der größte Filmerfolg im frühen deutschen Kino. Mit einer ungewöhnlichen Länge von zwei Stunden Vorführdauer war er ein Ausnahmefilm in der Zeit der kurzen Filme und die bis dato längste und kostspieligste Filmproduktion überhaupt. Der kolorierte Film schilderte das Leben Jesu in vier Teilen und wurde im “Eden-Theater” mit Orgelbegleitung vorgeführt. Trotz aller Anstrengungen hatte Theodor Beck kein Glück im Kinogeschäft. Schon zwei Monate später im März 1909 mußte er sein “Eden-Theater” schließen.

 

Das “Lichtbild-Theater” in der Rosgartenstraße

Dahlmann-Fasolds waren wieder ohne Konkurrenz und sollten es noch bis zum Herbst 1911 bleiben. Wegen des geringen Platzangebots im Kino Bodanstraße 8 richteten sie im Frühjahr 1910 noch eine Dependance ihres “Kinematograph Royal” ein und zwar gleich um die Ecke im Hause Rosgartenstraße 29/31, in dem sich auch das Damenkonfektionsgeschäft Katz & Comp. befand (heute Modehaus Bekorn). Weitere 190 Kinoplätze standen jetzt in Konstanz zur Verfügung.

Wie es zu dieser Zeit während der Filmvorführung im Zuschauersaal zuging, vermittelt ein Bericht in der “Konstanzer Zeitung” vom 4.März 1910 auf anschauliche Weise:

“Im Kinematograph Dahlmann. Man mag dort hingehen, wenn man will, immer findet man ein gutbesetztes Haus. In den Nachmittagsstunden ist es hauptsächlich die Jugend, die sich an dem heitern und ernsten Treiben, das auf die weiße Fläche gezaubert wird, ergötzt. Es ist ein köstliches Vergnügen, außer dem Betrachten der Bilder sich dem Ablauschen der Gespräche der Kinder hinzugeben, aufzupassen, wie ihrerseits die Darbietungen aufgenommen werden, wie sie dieselben mit ihren Randglossen äußern. Irgend eine heitere Scene, ein prächtiger farbiger Films läßt ihre Bewunderung und ihre Freude von Moment zu Moment steigern und in hellem Jubel erklingen. Dahlmann versteht es, in seine Programme reiche Abwechselung zu bringen. Der Aufenthalt in dem behaglich durchwärmten Raum ist angenehm und genußreich, noch mehr wäre dies der Fall, wenn die Damenwelt, dem schon einmal zum Ausdruck gebrachten Wunsche entsprechen und die Hüte abnehmen oder doch nicht die allergrößten Formate mitbringen würde.”

Offenbar waren die opulenten Damenhüte seinerzeit ein international so drängendes Problem in den Kinos, daß der berühmte Regisseur D.W. Griffith in Amerika einen kurzen satirischen Film mit dem Titel “Those Awful Hats” (1909) drehte, der speziell für das Vorprogramm der Kinos bestimmt war. Darin wird der Damenwelt zur “Warnung” filmisch vor Augen geführt, welche Konsequenzen ihre Weigerung, die Hüte abzunehmen, haben könnte: Im Film kommt von oben der Greifer eines Krans ins Bild , hebt “überdimensional behütete” Damen aus dem Publikum heraus und befördert sie mitsamt ihrer großen Kopfbedeckung aus dem Zuschauersaal. Von Dahlmanns Kinematograph wurden derart drakonische Maßnahmen allerdings nicht bekannt (vgl. Anne Paech, Joachim Paech: Was im Kino passiert. Film und Literatur erzählen. 1999).

Als im Herbst 1911 gleich zwei neue große Kinos eröffneten, belebte sich schlagartig die bis dahin so ruhige Konstanzer Kinolandschaft. Überall ging 1911 die erste Phase der kleinen Ladenkinos zu Ende. Auch in Konstanz wurde zu dieser Zeit der “Kinematograph Royal” in der Bodanstraße 8 wieder geschlossen und in ein Ladenlokal zurückverwandelt, in das die Eisenwarenhandlung Schriesheimer & Hess einzog. Statt dessen gründeten Dahlmann und Fasold im Sommer 1911 zusätzlich das erste Kino in Singen am Hohentwiel, das sie künftig neben ihrem “Lichtbild-Theater” in der Rosgartenstraße betrieben.

 

Das “Palast-Kinema-Excelsior”

Als am 2. September 1911 das “Palast-Kinema-Excelsior” eröffnet wurde, war in Konstanz mit Wilhelm Rosenburg ein zweiter in der Schweiz reisender Kinematographen-Besitzer seßhaft geworden. Der aus dem schleswig-holsteinischen Bad Segeberg stammende Wilhelm Rosenburg war ursprünglich gelernter Bäckermeister, bevor er in der Schweiz zum Mitarbeiter beim Wanderkinounternehmen von Georges Hipleh-Walt avancierte. Als dieser seine ersten festen Kinos in Zürich, Lausanne, Bern und Biel gründete, führte Rosenburg Hilpleh-Walts ambulante Jahrmarktsgeschäfte weiter. Im Frühjahr 1908 erwarb er schließlich von Hipleh-Walt den “Cinématographe Excelsior”, ein großes, luxuriöses Wanderkino mit 800 Plätzen. Damit bereiste er selbständig die Schweizer Märkte und Volksfeste, bis er sich im Herbst 1911 in Konstanz niederließ und hier in der lokalen Kinogeschichte für die nächsten zwei Jahrzehnte eine Rolle spielen sollte.

Das neue “Palast-Kinema-Excelsior” befand sich gegenüber dem Wiener Café und war im Hause Bodanstraße 25 (heute LBS Immobilien) regelrecht eingebaut worden. In Inseraten verwies Rosenburg auf seinen “gut ventilierten, absolut feuersicheren Theatersaal”, der über 300 Sitzplätze faßte. Und die “Konstanzer Zeitung” freute sich in ihrem Eröffnungsbericht vom 2.September 1911, daß “die Sitze bequem und derartig angeordnet (sind), daß man von jedem Platz aus die Leinwand sehen kann, ohne im Genusse des Schauens durch allzu große Damenhüte gestört zu werden”. Die ansteigenden Sitzreihen, die einen freieren Blick auf die Leinwand ermöglichten, sollen tatsächlich, wie sich in zeitgenössischen Publikationen zur Kinoarchitektur nachlesen läßt, ein Effekt der die Sicht versperrenden Damenhüte gewesen sein. Alles in allem war das “Palast-Kinema” schon ein veritables Lichtspieltheater.

 

Das “Passage-Kino-Theater”

Doch damit nicht genug: Am 11. November 1911 eröffnete ein drittes Kino, das in einem neu errichteten Gebäudekomplex von vornherein als Kino eingeplant war: Das “Passage-Kino-Theater” mit über 500 Plätzen wurde für lange Zeit das größte Kino in Konstanz. Die “Konstanzer Zeitung” berichtet von einer neu geschaffenen Passage zwischen Rosgarten- und Hussenstraße, mit einer Ausmündung zur Neugasse, in der eine ganz neue Geschäftsstraße entstanden sei. Das Kino war in einen langgestreckten, äußerst schlichten Bau integriert, der noch ein Mode- und Putzgeschäft, ein Teppichgeschäft und das Passagen-Café beherbergte, das mit dem Kino verbunden war. Die Passage war Privateigentum und gehörte, wie das Kino auch, dem Brauereibesitzer Siegmund Frank und seinem Schwiegersohn Isidor Guggenheim, der in Kreuzlingen eine Schürzen- und Juponsfabrik betrieb. Eigentlich hatte Siegmund Frank von Anfang an mit dem Kino in Konstanz zu tun, denn in seinem Haus in der Bodanstraße 8 hatte sich das erste Kino, der “Kinematograph Royal” befunden. Betrieben wurde das Passage-Kino-Theater allerdings von Isidor Guggenheim und seiner Frau Laura, bis dem jüdischen Unternehmen in der Zeit des Nationalsozialismus Mitte der dreißiger Jahre immer mehr Schwierigkeiten bereitet wurden, und es gezwungen wurde zu schließen.

Im “Passage-Kino”, wo übrigens das Rauchen ausdrücklich gestattet war, brauchte man 1911 für einen Kinobesuch nur 30 Pfennige für den billigen II. Platz ausgeben oder man konnte auch 1.20 Mark investieren und saß dann vornehm in der sogenannten ‘Fremdenloge’. Mit diesem breit gefächerten Preis- und Platzangebot wollte das Kino alle Bevölkerungsschichten ansprechen und übernahm schon allein wegen des größten Platzangebots jetzt die führende Position in Konstanz. Neben den ersten Asta-Nielsen-Filmen war die größte Attraktion zum Jahresausklang 1911 im “Passage”-Kino, wie auch in den beiden anderen Häusern, die Eröffnung der Mittelthurgau-Bahn. Filmaufnahmen dieses großen Regional-Ereignisses bekam man im “Passage” innerhalb der kurz zuvor erst gegründeten ersten deutschen Wochenschau “Der Tag im Film” zu sehen, die von einer Freiburger Filmgesellschaft bereits als tägliche kinematographische Berichterstattung herausgegeben wurde.

Bei Dahlmann wurde die französische “Gaumont-Woche” und bei Rosenburg die ‘älteste’ Wochenschau, das französische “Pathé-Journal” gezeigt. Man kann aber fast sicher sein, daß bei bedeutenden Anlässen wie der Eröffnung der Mittelthurgau-Bahn es sich die beiden alten Jahrmarktspioniere nicht nehmen ließen, das Ereignis mit dem eigenen Apparat kurbelnd im Bilde festzuhalten und persönlich auf Zelluloid zu bannen. Größter Clou im “Passage-Kino” war - um wirklich brandaktuell zu sein - die Zusammenarbeit mit der “Konstanzer Zeitung”: Die allerneuesten Meldungen wurden dem Kino übermittelt und sofort nach Erscheinen über Lichtbilder an die Zuschauer weitergegeben!

 

Konstanzer Kinolandschaft 1912-1914

Wer sich im Jahr 1912 zu einem Kinobesuch entschloß, dem standen in Konstanz mittlerweile drei Lichtspieltheater mit genau 1020 Sitzplätzen zur Auswahl. Guggenheims “Passage-Kino-Theater” war mit 500 Plätzen das größte Kino und hatte damit fast automatisch die führende Position als Erstaufführungstheater übernommen. Filme wurden jetzt nicht mehr wie bisher als ‘Paket’ von komplett zusammengestellten Kurzfilmprogrammen verliehen, sondern seit 1911 mit dem Aufkommen des längeren Spielfilms einzeln oder als ganze ‘Star-Film-Serie’ angeboten, für die kostspielige Erst- bzw. Alleinaufführungsrechte am Ort erworben werden mußten. Mit einem exklusiven Filmangebot konnte man also die örtliche Konkurrenz ausschalten, besonders, wenn man sich wie Guggenheim die Alleinaufführungsrechte für die gesamte Asta-Nielsen-Serie gesichert hatte. Das hatte zur Folge, daß die “Duse der Kinokunst” Asta Nielsen, die sich größter Popularität erfreute, in Konstanz in der Saison 1912 /13 fast nur auf der Leinwand des “Passage-Kinos” erschien.

Die beiden anderen Kinobetreiber Dahlmann und Rosenburg mußten sich sehr bemühen, etwa durch niedrigere Eintrittspreise oder zusätzliche Filme im Programm, ihre Kinos weiterhin attraktiv zu machen. Die beiden ließen sich immer wieder etwas einfallen und mit selbstgedrehten Lokalaufnahmen als sogenannte “Extra-Einlage” ließ sich zumal vom Fasnachtszug 1912 das Konstanzer Publikum noch allemal anlocken. Mit dem “Jubiläumsumzug der Niederburger” bei dem “jede Person deutlich zu erkennen” war, wie Alexander Dahlmann in seinem Inserat vom 21. Februar versichert, versuchte sein “Lichtbild-Theater” mit Asta-Nielsens “Schwarzem Traum” im “Passage-Kino” zu konkurrieren -, ein Film, der als Kassenmagnet gehandelt wurde. Mit dem langen Spielfilm war auch der Starkult entstanden und Portraits von Henny Porten, dem ersten deutschen Filmstar und der Dänin Asta Nielsen schmückten die Filmreklamen in der “Konstanzer Zeitung”. Die Asta-Nielsen-Welle hatte am Bodensee im September 1913 ihren ersten Höhepunkt erreicht, als man (oder frau) sich im Tabakladen von Friedrich Hahn auf der Marktstätte als Spezialität für 10 Pfennige sogar eine Asta-Nielsen-Zigarre kaufen konnte!

Abgesehen vom enormen Konkurrenzdruck untereinander, der zeitweise zum dreimaligem Programmwechsel pro Woche zwang, wurde den Kinos jetzt auch von Seiten der Behörden das Leben schwer gemacht, besonders seit sich der Deutsche Bühnenverein an alle Kommunen gewandt hatte, um eine Kampagne gegen den “Schmutz und Schund im Kinematographen-Theater” einzuleiten. Erschrocken über die rasche Verbreitung des so erfolgreichen neuen Konkurrenten -die Anzahl der Kinos in Deutschland war im Jahr 1913 auf über 2 300 angewachsen - klagte der Bühnenverein über die Umwandlung von bereits 29 Theatern in Kinos und befürchtete das Abwandern renommierter Bühnenschauspieler und Autoren zum Film, vom Wegbleiben des Publikums ganz zu schweigen. Man wollte der ‘Kinosucht’ Einhalt gebieten, forderte neue polizeiliche Maßnahmen und eine verschärfte Präventivzensur. Vor diesem Hintergrund ist ein Schreiben von Kinobesitzer Isidor Guggenheim zu lesen, in dem er auf eine Beschwerde seitens der Obrigkeit am 25.1.1912 mit subtiler Ironie reagiert:

“Heute legte mir der Polizeikommissar nahe, das Bild “Im Sektrausche” aus den Schaufenstern der Hussenstraße zu entfernen, weil es Anstoß erregt habe. Ich hatte erst die Absicht, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Eben komme ich aber von einem Bummel durch die Hussenstraße und Marktstätte zurück und bin ganz erstaunt, bis heute so viel Anstößiges und Schamloses noch nie beobachtet zu haben. Gestatten Sie mir, Ihnen nur wenige Sachen aufzuzählen, die entschieden unsittlicher sind als das ausgehängte Bild: Der nackte Mohr an der Mohrenapotheke - Engelfiguren am Rathaus: nackt! - der Simplicissimus und Aktphotographien bei Ackermann, bei Gess Tanzfotos (…)”

In finanzieller Hinsicht konnte sich die Stadt jedenfalls nicht über die Kinos beklagen, denn über die sogenannte ‘Lustbarkeitssteuer’ verdiente sie an jeder verkauften Eintrittskarte kräftig mit, was bei einem Billett von 20 Pf. immerhin 5 Pf. ausmachte. Auf diese Weise brachten die drei Kinos der Stadt zum Beispiel im Jahr 1914 die beträchtliche Summe von 15 580 Mark ein. Die drei Konstanzer Kinos gaben sich alle Mühe, gesellschaftsfähige Kino-”Theater” zu werden, was sich auch in neuen Werbe-Emblemen ausdrücken sollte, wie etwa das “Palast-Kinema”, das mit einer hinter antiken Tempel-Säulen aufgehenden Sonne für sich Reklame machte.

1913 kam der erste der sogenannte deutschen Autorenfilme “Der Andere” von Max Mack (nach einem Drama von Paul Lindau) ins” Palast-Kinema” und leitete ein glanzvolles Kinojahr ein, in dem der monumentale italienische Historienfilm “Quo vadis” (Enrico Guazzoni) einer der Höhepunkte war. “Wo ist Coletti?” und die “Die Tangokönigin” (Max Mack) waren zwei gut gemachte Komödien, wogegen mit “Atlantis” (nach Gerhart Hauptmann von August Blom) ein Film in die Kinos kam, der dem neuen Medium nun auch in künstlerischer Hinsicht zum endgültigen Durchbruch verhelfen sollte.

Die erste Phase der Konstanzer Kinogeschichte war im Dezember 1912 zu Ende gegangen, als Alexander Dahlmann sein “Lichtbild-Theater” in der Rosgartenstraße verkaufte und der Pionier der ersten Stunde nicht mehr mit einem Kino in Konstanz präsent war. Zusammen mit Marie Fasold hat er nur noch bis 1913 das Singener Kino weitergeführt und sich dann allem Anschein nach wieder auf seine Anfänge auf dem Jahrmarkt besonnen. 1914 war er noch einmal zum Jahreswechsel auf dem Döbele anzutreffen, wo er für kurze Zeit mit einem Hippodrom gastierte; danach verliert sich in Konstanz seine kinematographische Spur, obwohl er hier offenbar bis zu seinem Lebensende wohnhaft blieb. Es ist anzunehmen, daß er weiterhin die ländliche Ostschweiz mit dem Jahrmarkt-Kinematographen bereist hat. Dafür spricht, daß der “Kinematograph Dahlmann-Fasold” 1926 auf der kantonalen Messe in Gais sein 25jähriges Kinojubiläum feiern konnte.

Die Kinotradition der Dahlmann-Familie wurde in Konstanz übrigens von den beiden Töchtern fortgeführt: Sie waren seit 1918 die ersten Filmvorführerinnen (!) in der Stadt. Während Henriette zunächst Anfang der zwanziger Jahre auch als Kinomusikerin in Wilhelm Rosenburgs “Palast-Kinema” beschäftigt war und in einem dreiköpfigen Orchester Cello als Begleitmusik zum Stummfilm spielte, hatte Vera Dahlmann von vornherein alle Konstanzer Vorführräume unter ihrer Leitung -, und daran sollte sich bis Ende der vierziger Jahre nichts ändern.

©Anne Paech




Schöne Konschdanzer Webseiten, Teil 37

13 05 2008

Zwei sehr schöne Links bekam der Butzlumbe heute aus der Altstadt hereingeschickt, die wir gerne in die Linksammlung mit aufnehmen:

www.alt-konstanz.de

www.meyer-konstanz.de

Und ja huch, bei der unteren Seite gibt´s sogar einen Link zu des Butzlumbes Konzertkritik des Eröffnungskonzerts von Jazz Downtown. 




Die Konstanzer Stadtbevölkerung - Einwohnerzahlen

12 05 2008

Hier ein paar Infos zu den Konstanzer Einwohnerzahlen - frisch von Wikipeda übernommen (Stand: 12. Mai 2008

Einwohnerentwicklung

Konstanz hatte im Mittelalter und der frühen Neuzeit nur wenige tausend Einwohner. Nur während des Konzils von 1414 bis 1418 waren geschätzte 10.000-40.000 Menschen in der Stadt untergebracht. Die Bevölkerung wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. So forderten Pestepidemien 1348 und 1518 sowie eine Hungersnot 1513 zahlreiche Todesopfer. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung sehr schnell. Lebten 1806 erst 4.400 Menschen in der Stadt, so waren es 1900 bereits 21.000. Bis 1950 verdoppelte sich diese Zahl auf 42.000.

Mehrere Eingemeindungen Anfang und Mitte der 1970er-Jahre brachten einen Zuwachs von rund 10.000 Personen auf 70.000 Einwohner im Jahre 1975. Am 30. Juni 2005 betrug die Amtliche Einwohnerzahl für Konstanz nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg 80.980 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Dies war ein historischer Höchststand.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.




Konschdanz in Bildern: 1897 bis 1910

12 05 2008
Hier ein paar schöne alte Konstanz-Postkarten aus der Sammlung bis zum Jahr 1910. Wenn man sich das so anschaut: Manches hat sich gar nicht so sehr verändert. 

 

1897: Das Inselhotel

 

1900: Die Markstätte

1900: Der Stadtgarten

 

1902: Die Rheinbrücke

 

1902: Im Stadtgarten

 

1903: Die Markstätte

 

1903: Der Rheintorturm

 

1905: Das Konzil

 

1905: Die Reichspost

 

1905: Die Seestrasse

 

1906: Der Hafen

 

1906: Die Krone

 

1906: Die Seestrasse

 

1907: Die Altstadt

 

1908: Das Münster

 

1908: Die Schweizer Seite

 

1908: Die Stadt

 

1910: Der Hafen

 

1910: Die Reichspost

 

1910: Das Schnetztor, 1

 

1910, Das Schnetztor, 2

 

1910, Das Schnetztor, 3

 

1910, Die Schweiz




Der heilige Bimbam macht´s nochmal

8 05 2008

So, und hier isch dann noch der Teil 2: Prof. Dr. Zettl, FH-Dozent (Englisch) gibt nochmal alles. Und irgendwie erinnert der den Butzlumbe an, ja, an, äh…

 

Und hier gibts Teil 1:

Prof. Dr. Zettl, Teil 1




So geht´s: Vom Handyshop direktemang ab in die Fachklinik

8 05 2008

 

Im Südkurier gibt´s heute folgende schöne Meldung:

Mann rastet in Telefonladen aus

Konstanz (phz) Ausgerastet ist ein 52-jähriger Mann in einem Konstanzer Telefonshop: Weil wohl seine Handykarte nicht gleich zum Telefonieren freigeschaltet werden konnte, riss er zwei Ausstellungsständer mit Mobiltelefonen um. Das löste einen Alarm in dem Telefonladen aus. Einem Angestellten des Geschäfts schlug der aufgebrachte Mann die Brille vom Gesicht, diese wurde beschädigt. Die Angestellten brachten den 52-Jährigen zu Boden und hielten ihn fest, bis er sich beruhigt hatte. Dabei blieb es jedoch nicht. Der Kunde ging anschließend auf den Marktleiter los. Die Angestellten alarmierten die Polizei. Ein Arzt untersuchte den Mann und befürwortete dessen Einweisung in eine Fachklinik.

Der Butzlumbe kann´s nachvollziehen. Der flippt manchmal auch schier aus, wenn er mit diesen Telekommunikationshanseles zu tun hat.